
Wer sich heutzutage als Musiker mit einer Musikrichtung zufrieden gibt, der trampelt meist jahrelang risikofreudig auf ein und der selben Stelle herum. "Nebenprojekt" ist da das Lösungswort; und daran versucht sich neuerdings auch Davey Havok, Frontorgan der düsteren Rockband AFI.
Mit BLAQK AUDIO orientieren sich Havok und sein Kollege Jade Puget an einem großen Klassiker: Depeche Mode. Aber die elektronischen Spielereien wirken nur stellenweise so gut wie beim Vorbild: CexCells ist nichts Halbes und nichts Ganzes - seine Songs halten sich die Waage zwischen AFI-Singles im LoFi-Stil und Synthie-lastigem Kirmestrance. Auf der einen Seite glänzen Songs wie Bitter For Sweet, The Love Letter oder der Opener Stiff Kittens mit der gewöhnungsbedürftig larmoyanten, aber doch prägnanten Stimme Havoks - und sind dadurch eigentlich nur eine abgespeckte Version von AFI ohne Drums und Gitarre. Doch auf der anderen Seite erinnern einen Semiotic Love oder Snuff On Digital böse an den deutschen Trancekönig ATB, so dass man am liebsten das Gesicht in den Händen vergraben und davonrennen möchte.
Beim Artwork der Platte verhält es sich recht ähnlich: das Booklet ist sehr schlicht gehalten und überzeugt voll und ganz durch seine verhaltene Bebilderung. Umschlungene, nackte Körper von denen der Betrachter nur Beine und Arme sichten kann - man kann sich den Albentitel CexCells keineswegs besser dargeboten vorstellen. Bloß stockt einem beim Durchblättern dann leider das Blut in den Adern. Zeilen wie "Strip for me as I stripped for you" und "So let's cut clean to the sex scene" gehören wohl eher auf einem zerknüllten Stück Papier in den Mülleimer, als auf das Erstlingswerk einer ernstzunehmenden Band.
Ob Blaqk Audio dennoch dem gerecht werden können, was man von ihnen erwartet? Only time (oder Album Nummer 2) will tell. Auf dem richtigen Pfad ist Havok jedenfalls schon.